Audio aus einem Video extrahieren am iPhone
Es gibt vier ehrliche Möglichkeiten, und eine davon ist gratis und schon auf deinem iPhone. Hier steht, wie jede funktioniert und wo sie an ihre Grenzen stößt.
Zuletzt aktualisiert August 6, 2026 5 min read
Du hast ein Video auf dem iPhone und willst nur den Ton. Dafür gibt es vier ernsthafte Wege. Einer ist gratis und schon auf deinem Gerät. Einer braucht einen Tipp. Zwei sind schlechter, als sie aussehen.
Kurz vorweg:
| Methode | Kosten | Wo es läuft | Aufwand |
|---|---|---|---|
| Kurzbefehle (in iOS enthalten) | Gratis | Auf deinem Gerät | Einmal einrichten, dann ein Tipp |
| Decant | Gratis testen, einmalig 4,99 $ | Auf deinem Gerät | Ein Tipp |
| iMovie | Gratis | Auf deinem Gerät | Hoch, und kein Audio-Export |
| Web-Konverter | Gratis mit Werbung | Auf fremden Servern | Hochladen, warten, laden |
Die Menübezeichnungen stehen hier auf Deutsch, mit dem englischen Original in Klammern. Viele nutzen ihr iPhone auf Englisch, und so findest du die Stellen in beiden Fällen.
Weg 1: Die App Kurzbefehle (gratis, in iOS enthalten)
iOS bringt eine Aktion namens „Medien codieren" (Encode Media) mit, die einen Schalter „Nur Audio" (Audio Only) hat. Kaum jemand weiß davon. Sie funktioniert, kostet nichts, und nichts verlässt dein Telefon.
Du baust den Kurzbefehl einmal, danach liegt er dauerhaft in deinem Teilen-Menü.
- Öffne Kurzbefehle (Shortcuts) und tippe auf + für einen neuen Kurzbefehl.
- Tippe auf Aktion hinzufügen (Add Action), suche nach
Medien codierenund wähle die Aktion aus. - Tippe auf den Pfeil neben „Kurzbefehl-Eingabe", um die Optionen aufzuklappen, und aktiviere „Nur Audio".
- Sieh dir dort gleich das Format an. Standard ist M4A. Für verlustfreien Ton kannst du auf AIFF oder WAV wechseln.
- Tippe erneut auf Aktion hinzufügen, suche
Datei sichern(Save File) und füge die Aktion hinzu. Erst sie schreibt das Audio in deine Dateien-App. - Tippe oben auf den Namen des Kurzbefehls, wähle Details und aktiviere „In Teilen-Menü zeigen" (Show in Share Sheet). Stelle als akzeptierten Typ Medien ein.
- Gib ihm einen Namen, den du wiedererkennst, etwa „Ton holen", und sichere ihn.
So benutzt du ihn: Video in Fotos oder Dateien öffnen, auf Teilen tippen, zu deinem Kurzbefehl scrollen, antippen und den Speicherort wählen.
Wo es hakt. Die Einrichtung ist fummelig, der Schritt mit dem Teilen-Menü lässt sich leicht falsch konfigurieren, es geht immer nur ein Video auf einmal, und die gesicherte Datei heißt so, wie der Kurzbefehl es festlegt, nicht wie das Video. Wenn du das einmal im Jahr brauchst, ist das die richtige Antwort. Wenn du es wöchentlich brauchst, summiert sich die Reibung.
Weg 2: Eine App, die genau das eine tut
An dieser Stelle erzählen wir dir von unserem eigenen Produkt. Behandle es entsprechend.
Decant macht genau diese eine Sache. Du wirfst ein Video aus Fotos, Dateien oder dem Teilen-Menü hinein und bekommst den Ton zurück. Alles läuft auf deinem iPhone, nichts wird hochgeladen, es gibt keine Timeline, und deine Datei behält den Namen des Videos statt einer Zahlenkolonne. Export als M4A, WAV und AIFF, und mehrere Videos auf einmal sind möglich.
Die ersten drei Extraktionen sind gratis. Unbegrenzt kostet einmalig 4,99 $, kein Abo.
Wenn der Kurzbefehl oben für dich reicht, nimm den Kurzbefehl. Er ist wirklich kostenlos und er funktioniert wirklich. Decant existiert, weil das Bauen und Pflegen dieses Kurzbefehls lästig ist und weil der Weg über das Teilen-Menü bei größeren Mengen langsam wird.
Weg 3: iMovie (das enttäuscht die meisten)
iMovie ist gratis, kommt von Apple und ist das Erste, was fast alle ausprobieren. Es ist hier trotzdem das falsche Werkzeug, aus einem Grund, den man erst nach zwanzig Minuten bemerkt.
Am iPhone kann iMovie den Ton von einem Clip lösen. Clip in der Timeline auswählen, auf die Aktionen-Taste tippen, „Lösen" (Detach) wählen. Der Ton wird zu einer eigenen Spur.
Was iMovie am iPhone nicht kann, ist diesen Ton allein exportieren. Einen reinen Audio-Export gibt es in der iOS-Version nicht. Die Mac-Version hat ihn (Ablage → Bereitstellen → Datei, dann „Nur Audio"), aber diese Option kam nie auf iPhone oder iPad. Du löst also den Ton, löschst die Videospur und stellst dann fest, dass sich weiterhin nur eine Videodatei exportieren lässt.
Mit einem Mac im Haus ist iMovie dort eine völlig brauchbare Antwort. Allein am iPhone ist es eine Sackgasse.
Weg 4: Web-Konverter
Die Suchergebnisse sind voll von Seiten, die ein Video im Browser in Ton umwandeln. Sie funktionieren. Der Preis ist offensichtlich: Du lädst dein Video auf einen fremden Server, wartest auf die Verarbeitung und lädst das Ergebnis wieder herunter. Über Mobilfunk und mit einem langen Video ist das langsam und teuer.
Wenn du das Video keiner fremden Person mailen würdest, lade es auch nicht auf deren Server. Für alles Private (ein aufgezeichnetes Gespräch, ein Arzttermin, Aufnahmen deiner Kinder) nimm einen der Wege, die auf dem Gerät bleiben.
Welches Format ist das richtige?
Die meisten denken darüber zu lange nach. Kurz:
- M4A ist die richtige Standardwahl. AAC-Audio in einem modernen Container, klingt bei gleicher Dateigröße besser als MP3 und läuft auf jedem Apple-Gerät und praktisch jedem modernen Player.
- WAV und AIFF sind unkomprimiert. Nimm eines davon, wenn der Ton in einen Editor, eine DAW oder eine Transkription geht, die eine saubere Quelle will. Die Dateien sind groß, rund 10 MB pro Minute.
- MP3 verlangen viele aus Gewohnheit. iOS hat keinen eingebauten MP3-Encoder, Werkzeuge auf dem Gerät können also in der Regel keines erzeugen. Gebraucht wird es fast nie.
Und Ton aus einem Video, das nicht von dir ist?
Technisch ist es dasselbe, egal woher das Video stammt. Rechtlich nicht. Bei eigenem Material ist die Sache unstrittig. Ein Musikstück aus einem fremden Video zu ziehen und zu veröffentlichen, ist in weiten Teilen der Welt eine Urheberrechtsverletzung, unabhängig vom benutzten Werkzeug. Die private Kopie von Material, zu dem du rechtmäßig Zugang hast, liegt dazwischen und ist von Land zu Land verschieden geregelt. Im Zweifel lohnt sich eine Minute eigene Recherche.
Häufige Fragen
- Kann man am iPhone Audio aus einem Video extrahieren, ohne eine App zu installieren?
- Ja. Die App Kurzbefehle ist Teil von iOS und enthält die Aktion „Medien codieren“ mit dem Schalter „Nur Audio“. Du baust den Kurzbefehl einmal und rufst ihn danach über das Teilen-Menü bei jedem Video auf. Das ist kostenlos und läuft komplett auf deinem Gerät.
- Speichert das iPhone das Audio als MP3?
- Normalerweise nicht. Apples eingebaute Encoder erzeugen kein MP3, deshalb liefern Werkzeuge auf dem Gerät M4A, WAV oder AIFF. M4A ist die sinnvolle Standardwahl: bei gleicher wahrgenommener Qualität kleiner als MP3 und auf allen Apple-Geräten problemlos abspielbar.
- Kann iMovie am iPhone nur den Ton exportieren?
- Nein. iMovie am iPhone kann den Ton eines Clips in der Timeline lösen, hat aber keinen reinen Audio-Export. Die Mac-Version bietet unter „Ablage“ und „Bereitstellen“ die Option „Nur Audio“, die iOS-Version nicht. Am Ende exportierst du also trotzdem eine Videodatei.
- Leidet die Qualität beim Extrahieren?
- Muss sie nicht. Die Tonspur in einem Video ist bereits komprimiert. Sie herauszukopieren oder in ein verlustfreies Format wie WAV oder AIFF zu überführen, bewahrt genau das, was vorhanden war. Eine erneute Umwandlung nach M4A mit hoher Bitrate ist praktisch nicht hörbar.
- Ist es legal, Audio aus einem Video zu extrahieren?
- Das hängt vom Video ab und davon, was du damit machst. Bei eigenem Material ist es unproblematisch. Den Ton aus einem fremden, urheberrechtlich geschützten Werk zu ziehen und zu veröffentlichen, ist es nicht. Private Nutzung von Material, zu dem du bereits rechtmäßig Zugang hast, liegt dazwischen und ist je nach Land unterschiedlich geregelt.